Vorsorge wird zum beherrschenden gesellschaftlichen Thema

Ein Gastbeitrag von Mario Freis (CEO OVB Holding AG) in bank und markt: Die europäischen Rentensysteme sind in Bedrängnis: Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen.

 
 

Vorsorge wird zum beherrschenden gesellschaftlichen Thema

Die europäischen Rentensysteme sind in Bedrängnis: Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen.

Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten – im Gegenteil: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Europäer steigt kontinuierlich um zwei bis drei Monate pro Jahr, während die Geburtenrate bei etwa 1,6 Kindern pro Frau stagniert. Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme werden für kommende Rentnergenerationen nicht ausreichen.

Aus dieser Erkenntnis heraus haben viele EU-Staaten bereits das Rentenniveau gesenkt, die Lebensarbeitszeit verlängert und die Anreize für eine Frühverrentung beendet. Die Arbeitsmarktbeteiligung älterer Arbeitnehmer nimmt zu. Ein weiterer Reformtrend in vielen OECD-Staaten ist die Einführung von regelgebundenen Anpassungen im Rentensystem, wie zum Beispiel der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel in Deutschland.

Ebenso tragen eine stärkere Besteuerung von Rentenzahlungen oder höhere Beiträge für die Krankenversicherung der Rentner zur Entlastung der staatlichen Haushalte in einigen EU-Ländern bei.

Auch kapitalgedeckte Systeme mit Problemen

Einen "Stein der Weisen", also ein perfektes Modell für notwendige Reformen, hat noch niemand gefunden. Die Reformen in den meisten EU-Ländern konzentrieren sich daher darauf, bestehende Modelle anzupassen, statt eine radikale Neuordnung vorzunehmen. Logisch insofern, da jedes Land sein eigenes über Jahrzehnte gewachsenes Konzept der Sozialversicherung betreibt.

Inzwischen haben nicht nur umlagefinanzierte, sondern auch kapitalgedeckte Systeme, die zum Beispiel in der Schweiz wichtiger Bestandteil des gesetzlichen Rentensystems sind, Probleme. Schuld daran ist nicht so sehr die Demografie, vielmehr belasten die extrem niedrigen Zinsen und schwachen Erträge auf das angesparte Alterssicherungsvermögen. Dem steuert man mit einer Erhöhung der obligatorischen Beitragssätze, vorgeschriebenen Beitragszeiten und dem Wegfall von Garantien entgegen.

Ungarn und Polen, die ihre Rentensysteme in den neunziger Jahren von rein umlagefinanzierten öffentlichen Modellen in Mischsysteme mit umlagefinanziertem Teil und privaten Rentenfonds umgewandelt hatten, schwenkten angesichts hoher Staatsschulden und oft enttäuschender Ergebnisse der privaten Rentenfonds wieder um. Eine Reihe von Ländern ergänzt ihre gesetzlichen, aus Steuern und Sozialbeiträgen finanzierten Rentensysteme um kapitalgedeckte Zusatzrenten.

Einige Regierungen sahen in den letzten Jahren in sogenannten Opting-out-Modellen den Königsweg, Deckungsgrad und Reichweite freiwilliger privater Renten zu erhöhen. Gemeint ist damit eine private Altersvorsorge, die automatisch in Kraft tritt, wenn man sich nicht dagegen ausspricht. Das Opting-out kann ein "Schubs" in die richtige Richtung für ein regelmäßiges und systematisches Aufbauen von Altersversorgung des Einzelnen sein. Allerdings bergen solche Modelle die Gefahr, dass gerade Geringverdiener, jüngere Beschäftigte und Frauen – also Haushalte, die nur über ein niedriges Einkommen und damit ein geringes Budget für die Altersvorsorge verfügen – auf eigenen Wunsch aus den Vorsorgebeiträgen aussteigen, da die Beiträge das ohnehin niedrige Konsumniveau weiter absenken und damit als besonders einschneidend empfunden werden.

Rentenpolitische Kontinuität ist gefragt

Unzweifelhaft ist: Die gesetzliche Altersvorsorge bildet die Basis der Alterssicherung in Europa und wird auch künftig eine wesentliche Einnahmequelle im Alter sein. Genau darauf sollte sich die gesetzliche Altersvorsorge in Europa konzentrieren: zuverlässige Grundabsicherung im Alter zu sein –nicht mehr, aber auch nicht weniger. Alles andere wäre Augenwischerei gegenüber den Bürgern.

Rentenpolitik ist langfristig zu betrachten. Die Bevölkerung in Europa braucht verlässliche Rahmenbedingungen, Transparenz und plausible Informationen, auf deren Basis sie entscheiden kann, wie sie am besten vorsorgt.

Ein Hin und Her wie zum Beispiel die im Jahr 2016 von deutschen Politikern diskutierte Rückabwicklung der Riester-Rente anstelle beherzter Reformen, um diese attraktiver und einfacher – zum Beispiel in Bezug auf das Zulagenverfahren – zu gestalten, trägt in erheblichem Maße zur Verunsicherung der Bürger bei. Das Gleiche gilt für Versprechen, die auf Kosten der jungen Generation finanziert werden, ebenso wie für Debatten, die den Eindruck erwecken, dass es mit Reparaturen am gesetzlichen System getan und deshalb eine zusätzliche private Vorsorge nicht notwendig sei.

Unsere Forderung an die Rentenpolitik ist die ehrliche Erkenntnis, dass das gesetzliche System überall in Europa nur ein Baustein der Altersvorsorge ist – neben der privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Gebraucht wird also ein klares Bekenntnis zu diesen zwei weiteren wichtigen Säulen und deren Stärkung.

Vorschlag zur Europa-Rente

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat im Auftrag der Europäischen Kommission die Einführung einer Europa-Rente (Pan European Personal Pension, kurz PEPP) vorgeschlagen, mit der sie die private Altersvorsorge in ganz Europa verbessern will.

Alleine die wesentlichen Anforderungen der EIOPA an PEPP klingen nach einer nahezu unlösbaren Aufgabe:

  • Das Produkt soll ohne großen Erklärungsbedarf verständlich, transparent, kostengünstig, sicher und mit attraktiven Renditechancen ausgestattet sein.
  • Lösungen sollen grenzüberschreitend angeboten werden, damit ein EU-Bürger, der in ein anderes EU-Land zieht, seine Europa-Rente nicht kündigen muss.
  • Eine breite Palette an Anbietern soll eine Vielfalt der Produkte gewährleisten.
  • Die Europa-Rente soll in Konkurrenz zu allen bereits vorhandenen Lösungen wie betrieblicher Altersversorgung oder privaten Vorsorgelösungen stehen.
  • Vertriebskosten sollen aufgrund des Online-Vertriebs nahezu entfallen.

Unsere Erfahrungen in Europa zeigen, dass sich Altersvorsorgeprodukte nicht ohne individuelle persönliche Beratung vermitteln lassen. Die Dienstleistung der persönlichen Allfinanzberatung hat ihren Wert. Skepsis ist also angebracht und eine Reihe offener Fragen ist zu klären.

Grundsätzlich zu begrüßen ist die klare Erkenntnis, dass es in ganz Europa einen wachsenden Bedarf für private Altersvorsorge gibt, da das umlagefinanzierte System durch den demografischen Wandel unter Druck gerät, ebenso wie die Erkenntnis, dass die Förderung bestimmter Vorsorgeprodukte wie auch der Entwicklungsgrad des jeweiligen Landes in Sachen Sozial-beziehungsweise Vorsorgesysteme in den Ländern der EU sehr heterogen sind.

Beratung überwindet psychologische Hindernisse

Unabhängig davon, für welches Modell sich ein Land in Europa entscheidet, am Ende gilt es, die Menschen zu beraten, aufzuklären und die für sie individuell richtige Lösung für eine auskömmliche Altersversorgung zu finden. In keinem Land Europas gibt es dafür staatliche Stellen. Also kann und muss dieses Thema privatwirtschaftlich gelöst werden. Eine zentrale Rolle kommt hier vor allem den Allfinanzberatern zu, die sich aufgrund ihres Beratungsansatzes jeweils an den Bedürfnissen und den Risikoprofilen ihrer Kunden orientieren, unabhängig von einzelnen Produktgebern. Nur mittels ihrer Beratungsleistung ist es möglich, die oftmals rein psychologischen Hindernisse zu überwinden, die einer notwendigen Alterssicherung im Wege stehen.

  • Zunächst fühlen sich viele Menschen bei Finanzfragen überfordert und wollen sich daher nicht damit beschäftigen.
  • Zudem verbinden sich mit den Themen Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit negative Assoziationen.

Die Beratung überwindet diese Widerstände. Sie zeigt den Menschen Möglichkeiten auf, zu einer auskömmlichen Altersvorsorge zu gelangen. Und sie erklärt, wie man sich auf dem Weg dorthin adäquat zum Beispiel gegen biometrische Risiken wie schwere Erkrankungen, den Verlust von Grundfähigkeiten, Berufsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit oder Invalidität absichert. Aktuell kommt durch die anhaltende Niedrigzinsphase in der Bevölkerung die zugleich falsche wie gefährliche Einstellung auf, private Vorsorge lohne sich nicht mehr. Die in ganz Europa zu beobachtende Realität zeigt, dass die meisten Menschen das Thema Altersvorsorge nicht aus Eigenantrieb ansprechen, obwohl ein Interesse am Thema vorhanden ist und die Berichterstattung in den Medien verfolgt wird.

Sparmotivation muss geweckt werden

Ein Anreiz durch Allfinanzberater ist nötig, um die Sparmotivation zu wecken. Wenn wir das Thema dann ansprechen, halten die Kunden eine ganzheitliche Beratung für sehr wertvoll und sind offen für Lösungsvorschläge, selbst wenn diese den nicht besonders populären Konsumverzicht mit sich bringen. Viele Kunden fragen dann, wie sie am besten für das Alter vorsorgen können.

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Eines ist aber sicher: Nicht zu sparen ist keine Alternative. Jedes Jahr, in dem der Kunde spart, ist wertvoll. Und auch diese Erkenntnis muss den Menschen im persönlichen Gespräch zunächst vermittelt werden.

Wir begleiten daher unsere Kunden über viele Jahre mit bedarfsgerechten, an die jeweilige Lebensphase angepassten Absicherungs- und Vorsorgekonzepten. OVB ist – dank eines ausreichend großen, diversifizierten und qualitativ geprüften Partner- und Produktangebots – sehr gut aufgestellt, um für unterschiedliche Marktsituationen und verschiedene Kundenbedürfnisse die passende Lösung bieten zu können.

Im Mittelpunkt der Vorsorgeberatung stehen – und zwar nicht erst seit der Finanzmarktkrise – sachwertorientierte Anlageformen, also fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen, sowie Investmentfonds. Wohneigentum hat als Baustein in der privaten Altersvorsorge bei OVB einen hohen Stellenwert. Hier profitieren die Kunden derzeit von den niedrigen Zinsen im Bereich der Baufinanzierung.

Das Fazit aus unserer europaweiten Erfahrung als Allfinanzberater lautet: Die gesetzlichen Systeme in ganz Europa sind der zentrale Baustein der Altersvorsorge. Diesen gilt es durch pragmatische, sich an der demografischen Entwicklung ausgerichtete Maßnahmen zu festigen und vor politisch motivierten Zugriffen zu schützen. Gleichzeitig braucht es ein klares Bekenntnis zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge, verbunden mit einer Anerkennung des wichtigen sozialen Beitrags, den die Allfinanzberatung leistet und der von staatlichen Instanzen nicht erbracht wird.

Gastbeitrag von Mario Freis (CEO OVB Holding AG)

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