Gleichstellung in der Finanzbranche: Warum wir mehr Frauen im Finanzsektor brauchen

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Mitarbeiterin am Schreibtisch - Gleichstellung in der Finanzbranche

Die Finanzbranche galt lange Zeit als Männerdomäne. In den letzten Jahren hat sich zum Glück einiges getan: Immer mehr Frauen setzen sich als Finanzberaterinnen, Fondsmanagerinnen oder Geschäftsführerinnen durch. Aber bis es zu einem tatsächlichen Gleichgewicht der Stellenverteilung kommt, ist noch ein langer Weg zu gehen.

Die Zahl der Frauen, die im Finanzsektor arbeiten, steigt bereits seit einigen Jahren. Das ist schon einmal ein guter Anfang! Schaut man sich allerdings die obersten Führungsebenen an, sieht es weniger rosig aus. Der Anteil von Frauen in den Vorständen großer Banken und Finanzinstitute liegt noch immer im einstelligen Bereich, das jährliche Wachstum ist gering. Und weltweit sind sogar nur 6 Prozent aller CEOs weiblich!

Von Gender Pay Gap und Teilzeitfalle

Die Probleme liegen klar auf der Hand: Gender Pay Gap, geschlechtsspezifische stereotype Vorurteile und die ungleiche Verteilung von Erziehungszeiten stehen einer gerechten Arbeitswelt nach wie vor im Wege. Immer noch arbeiten vorwiegend Frauen in Teilzeit, um Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Die Folgen zeigen sich in vielen Branchen, sind aber gerade im Finanzsektor besonders greifbar. Besonders drastisch zeigt dies der Alpha Female Report 2021 von Citywire über Frauen im Fondsmanagement: Auch wenn der Frauenanteil in der Vermögensverwaltung in den vergangenen Jahren leicht gestiegen ist, würde es bei gleichbleibendem Wachstum noch bis zum Jahr 2150 dauern, bis Frauen etwa 50 Prozent der Branche ausmachen – das sind noch über 100 Jahre!

Die Studie zeigt außerdem, dass gerade Deutschland im internationalen Vergleich schwächelt. Die europäischen Spitzenreiter sind Spanien und Italien – mit gerade einmal rund 20 Prozent Frauenanteil.

Gender Diversity als Chance für Unternehmen

Dabei sind die Vorteile gemischtgeschlechtlicher Teams sogar wissenschaftlich belegt. Eine heterogene und vielfältige Belegschaft fördert nicht nur Kreativität, Innovation und Ideenreichtum, sie verbessert auch das Arbeitsklima und den Teamzusammenhalt innerhalb des Unternehmens. In Abteilungen mit messbaren Ergebnissen schneiden gemischte Teams deutlich besser ab und erzielen die besten Zahlen.

Studien zeigen auch: Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen sind insgesamt erfolgreicher und erwirtschaften deutlich mehr Gewinne. Gleichstellung ist also nicht nur eine Sache der Gerechtigkeit, sondern dient gleichzeitig dem wirtschaftlichen und unternehmerischen Erfolg.

Gelebte Chancengleichheit gilt außerdem als der Erfolgsfaktor im „War of Talents“. Die gezielte Ansprache von Bewerberinnen erweitert die Ressourcen im Recruitingbereich und ein respektvoller, gleichberechtigter Umgang mit dem Thema verbessert den Wert als Arbeitgeber auf dem Bewerbermarkt. Wer nicht starr auf Geschlechter und veraltete Stereotypen schaut, sondern auf die individuellen Kompetenzen und Stärken eines Menschen, sorgt für starke Teams – und starke Mitarbeiter sind schon lange das wichtigste Kapital eines jeden Unternehmens, das langfristig erfolgreich sein will.

Ein weiter Weg zum Ziel

Immer mehr Unternehmen richten den Blick auf Diversity und Gleichstellung, auch wenn häufig praktische Ansätze fehlen. Der Gender Pay Gap, also die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau, wird von den wenigsten Unternehmen angegangen oder auch nur transparent ausgewiesen.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig, um Frauen langfristige Perspektiven bieten zu können. Moderne Unternehmen bieten deshalb verstärkt flexible Arbeitszeiten, Home-Office und Betreuungsmöglichkeiten an. Um die geringe Frauenquote in den Chefetagen in den Griff zu kriegen, sollten auch Führungspositionen in Teilzeit kein Tabuthema mehr sein. Hier hakt es nämlich noch gewaltig: Fast immer gilt der Umstieg auf Teilzeitarbeit als Karrierekiller.

Sinnvoll ist es auch, wenn mehr Unternehmen gezielt auf die Suche nach weiblichen Fachkräften gehen. Davon profitiert auch das Geschäft – so vergrößert sich nämlich auch der Pool vielversprechender Bewerber und potenzieller Mitarbeiter. Aber auch am anderen Ende ist noch einiges an Arbeit nötig. Gerade in Ländern, in denen die Finanzwelt noch immer vor allem männerdominiert ist, fehlt es vielen Frauen an Mut, Ansporn oder schlicht Interesse, sich in der Branche umzusehen.

Dabei gibt es so viele einzigartige, weibliche Karrieren in der Finanzbranche – sie müssen nur sichtbarer gemacht werden! So könnten qualifizierte Frauen stärker dazu motiviert werden, Finanzunternehmen als Arbeitgeber in Betracht zu ziehen und sich auf entsprechende Stellen zu bewerben. Und auch bei Schülerinnen, Studentinnen und Absolventinnen kann viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, zum Beispiel durch verstärkte Informationsangebote, Karriereveranstaltungen oder Ansprache an den Schulen und Unis.

So viel sich in den letzten 100 Jahren in Sachen Frauenbewegung und Gleichberechtigung bereits getan hat: Es ist noch ein langer Weg zu gehen, um das Ziel der tatsächlichen Gleichstellung in allen Branchen und insbesondere der Finanzbranche zu erreichen – und dies auch langfristig halten zu können. Wir sind überzeugt, dass davon sowohl Arbeitgeber als auch Mitarbeiter, Bewerber und Endkunden nur profitieren können.

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