Finanzbildung? – Fehlanzeige

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Fast die Hälfte aller Europäer beschreibt sich selbst als finanzielle Analphabeten, so das ernüchternde Ergebnis einer Studie der ING-DiBa. In Großbritannien und Deutschland sieht die Lage besonders düster aus, aber auch in anderen Ländern wie Frankreich, Italien und Österreich gibt es noch ordentlich Nachholbedarf.1

Die fehlende finanzielle Bildung in weiten Teilen Europas ist bereits seit mehreren Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Die Mehrheit der Gesellschaft sieht die Schulen in der Pflicht. Finanzwissen solle in einem eigenen Lehrfach oder zumindest verstärkt in Mathe, Politik oder Sozialwissenschaften unterrichtet werden. Das sehen auch die Schüler so: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Mit diesem Tweet erntete eine Schülerin aus Köln vor drei Jahren eine Welle der Zustimmung.2 Viel getan hat sich seitdem allerdings nicht. Laut ING-DiBa ist der Anteil junger Erwachsener ohne Finanzbildung sogar ein wenig gestiegen.

Komplexe Finanzbranche – ohne Vorwissen hat man keine Chance

Früher oder später muss jeder seine Finanzen in die eigene Hand nehmen. Das ist allerdings viel leichter gesagt als getan. Egal ob es „nur“ um einen neuen Handyvertrag, den ersten Mietvertrag oder den Abschluss von Versicherungen geht: Junge Menschen müssen lernen, mit Risiken umzugehen, rechtzeitig für Gesundheit und Alter vorzusorgen und nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Der Markt für Finanzprodukte und -dienstleistungen hat enorm viel zu bieten: Dank technischem und ökonomischem Fortschritt können Angebote immer besser an individuelle Kundenbedürfnisse angepasst werden. Das ist allerdings Segen und Fluch zugleich: Zu viele Optionen machen es natürlich sehr schwer, die richtigen finanziellen Entscheidungen zu fällen.3

Großer Bedarf, zu wenig Umsetzung

Trotz einiger Tests und Pilotprojekte konnte sich das Fach Finanzen in deutschen Schulen noch nicht durchsetzen. Einer der Gründe dafür ist sicherlich der hohe Koordinationsaufwand, den eine Einbettung in den Lehrplan erfordert. Bildungsbehörden, Politiker, Lehrer und andere Stakeholder müssen zusammenkommen, um Bildungsstandards zu definieren, Lernmaterialien zu erstellen und ein Weiterbildungskonzept für das Lehrpersonal zu entwickeln.4 Aber es geht voran: In Baden-Württemberg wird seit letztem Jahr flächendeckend das Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ unterrichtet. Und auch in NRW wurde die Einführung des Fachs „Wirtschaft“ beschlossen. Die Inhalte müssen allerdings noch festgelegt werden.5

Wirtschaftlicher Aufschwung durch Bildung

Laut Finanzexperten lohnt  sich der Aufwand. Denn limitiertes Finanzwissen spiegelt sich oft in einer starken Tendenz zur Vorsicht wieder. Viele Verbraucher entscheiden sich lieber für „einfache“, vermeintlich sichere Finanzprodukte, wie festverzinsliche Anlagen, Bausparverträge und Immobilien. Obwohl andere Anlagen eine höhere Rendite einbringen können, scheinen die meisten vor der hohen Anzahl an Alternativen zurückzuschrecken. Ohne Vorwissen sehen Privatanleger oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. US-Forscher gehen davon aus, dass rund 40 Prozent der ungleichen Vermögensverteilung in den USA auf Unterschiede in der Finanzbildung zurückzuführen sind.6 Höchste Zeit also, dass wir dieses Thema in Angriff nehmen.

1 ing-diba.de
2 focus.de
3 oecd.org
4 read.oecd-ilibrary.org
5 faz.net
6 wiwo.de

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